14.10.2015 | Tastrundgänge durchs Stasi-Gefängnis

Tastrundgaenge Handschellen
Anlässlich der bundesweiten „Woche des Sehens“ bot die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen am vergangenen Montag zwei Sonderrundgänge für blinde und sehbehinderte Besucher an.

Wie mag es sich für die Häftlinge angefühlt haben, gefesselt und eingesperrt zu werden? Die speziellen Tastrundgänge ermöglichten nun auch Blinden, die Justiz in der DDR und Auswirkungen politischer Verfolgung kennenzulernen und „nachzufühlen“. Von Zeitzeugen geführt, ertasteten die Teilnehmer dabei auch Zellen, Verhörräume und Original-Gegenstände des Gefängnisalltags wie Handschellen und Häftlingskleidung.

Sehende Besucher und Mitarbeiter der Gedenkstätte nutzten die Gelegenheit, um mit Simulationsbrillen an den Führungen teilzunehmen und so ihr Bewusstsein für die Situation Sehbehinderter im Alltag zu schärfen. So berichtete eine sonst sehende Teilnehmerin anschließend zum Beispiel von einem Gefühl der Hilflosigkeit, aber auch von einer stärkeren Geruchswahrnehmung.

Führungen für Blinde und Sehbehinderte finden nach Voranmeldung an jedem 3. Montag im Monat statt. Sie sind Dank der finanziellen Unterstützung des Fördervereins der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen vorerst kostenlos.