12.4.2016 | Überlebensstrategien in der Haft

Arno Drefke, inhaftiert 1953
Die Cafeteria war gut besucht, als Direktor Dr. Hubertus Knabe am 1. April kurz vor zehn die Veranstaltung "Überlebensstrategien in der Haft" eröffnete. Fünf ehemalige politische Häftlinge sprachen an diesem Tag über ihre ganz persönlichen Strategien, den Haftalltag während der Stasi-Haft zu überstehen.

„Du sagst nichts hier“, hatte sich Arno Drefke zu Beginn noch vorgenommen. Er wurde 1953 verhaftet. Allerdings konnte er das nicht lange durchhalten. Er ging immer wieder Rechenaufnahmen und sein Geographiewissen im Kopf durch. Auch mit der Erinnerung an seine Ausbildung zum Drogisten hat er es geschafft, sich in der kahlen Zelle zu beschäftigen.

Lutz Hildebrandt, verhaftet 1967, wusste als einer der wenigen Häftlinge genau, wo er sich befand. Diese Sicherheit habe ihm ein wenig Stärke verliehen. Für ihn spielte die Leseerlaubnis eine wichtige Rolle: Insgesamt 200 Bücher las er während seiner Haftzeit. „Gut sortiert“ sei sie gewesen, die Bibliothek.

„Man war froh, dass man jemanden hatte“, berichtete Zeitzeugin Monika Schneider über das „Glück“, eine Zellengenossin zu haben. Schneider wurde 1983 nach Hohenschönhausen gebracht. Man lerne in der Haft sehr schnell, seine Gefühle nicht mehr zu zeigen, so Schneider, die nach ihrer Untersuchungshaft in Hohenschönhausen in den Strafvollzug im berüchtigten Frauengefängnis Hoheneck gebracht wurde.

Sigrid Grünewald wurde als Westberlinerin 1981 inhaftiert. „Ich schaffe das, ich halte durch“, war ihr Motto, um sich in der Haft nicht unterkriegen zu lassen. Immer wenn der Wärter ihr das Kommando „Stehn´se!“ gab, ging Sigrid Grünewald einen kleinen Schritt weiter. Aus Protest, so die Zeitzeugin, und um zu zeigen „Ich lasse mich von so einem nicht anschnauzen.“

Hans-Jochen Scheidler, verhaftet 1968, lernte in der Haft das Schachspielen – mit Brot- und Papierkrümeln statt eines richtigen Schachbrettes. Das erste Mal Schach mit einem richtigen Brett sei ein echtes Erlebnis gewesen. Um sich auf der Zelle zu beschäftigen, fing er an, Bücher auf dem Kopf zu lesen. Die Wärter waren irritiert: „Die dachten sich bestimmt, ich kann gar nicht lesen.“

So verschieden wie die Zeitzeugen selbst, so unterschiedlich waren auch ihre Überlebensstrategien. Doch eines war ihnen allen gemeinsam: Sie haben sich trotz allem nicht unterkriegen lassen.