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georg dertinger bio

Georg Dertinger

Literatur

  • Beckert, R.: Die erste und letzte Instanz: Schau- und Geheimprozesse vor dem Obersten Gericht der DDR (1995)
  • Buchstab, G.: Verfolgt und entrechtet. Die Ausschaltung Christlicher Demokraten unter sowjetischer Besatzung und SED-Herrschaft 1945-1961 (1998)
  • Lapp, Peter Joachim: Georg Dertinger: Journalist – Außenminister – Staatsfeind. Freiburg im Breisgau (2005)

1902 in Berlin geboren, studierte er in der Zeit der Weimarer Republik Rechts- und Volkwirtschaft. Anschließend arbeitete er als Journalist. Politisch engagierte er sich in der Deutschnationalen Volkspartei, bis diese nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 aufgelöst wurde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs trat er 1945 in die neugegründete Christlich Demokratische Union (CDU) ein, wo er zum Pressereferent der Hauptgeschäftsstelle ernannt wurde. Im Zuge der Gleichschaltung der Partei stieg er 1949 zum Generalsekretär der CDU in der Sowjetischen Besatzungszone auf. Nach der Gründung der DDR im Oktober 1949 wurde er Minister für Auswärtige Angelegenheiten.

Trotz seiner hohen Funktion überwachte ihn das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) durch geheime Informanten. Im Zusammenhang mit den Vorbereitungen von Schauprozessen gegen ranghohe SED-Funktionäre und Regierungsmitglieder wurde Dertinger Anfang 1953, zusammen mit mehreren seiner Mitarbeiter, seiner Frau und den zum Teil noch minderjährigen Kindern, verhaftet. Etwa 100 MfS-Mitarbeiter durchsuchten die Ost-Berliner Parteizentrale der CDU nach verdächtigen Unterlagen. Dertinger wurde unter anderem beschuldigt, für den französischen Geheimdienst gearbeitet zu haben. Nach 17 Monaten Untersuchungshaft im so genannten U-Boot in Berlin-Hohenschönhausen verurteilte ihn das Oberste Gericht der DDR 1954 wegen angeblicher "Verschwörung und Spionage" zu 15 Jahren Zuchthaus.

Nach mehr als elfjähriger Haft wurde er 1964 begnadigt und aus der Sonderhaftanstalt Bautzen II entlassen. Bis zu seinem Tod im Januar 1968 arbeitete Dertinger in Leipzig als Lektor für die katholische Kirche.