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Fricke Karl Wilhelm

Karl Wilhelm Fricke

Literatur

  • Fricke, K.W.: Politik und Justiz in SBZ und DDR (1979)
  • Fricke, K.W.: Die DDR-Staatssicherheit (1982)
  • Fricke, K.W.: Opposition und Widerstand in der DDR (1984)
  • Fricke, K.W.: Akten-Einsicht (1995)

1929 in Hoym geboren, einer ländlichen Kleinstadt bei Aschersleben, erlebte er als Sechzehnjähriger, wie die sowjetische Geheimpolizei im Juni 1946 seinen Vater verhaftete; er verstarb 1952 im Zuchthaus Waldheim. Als so genannter Junglehrer wurde Fricke 1949 nach einer Denunziation durch eine Kollegin im Unterricht verhaftet. Er konnte jedoch aus dem Polizeigewahrsam entkommen und über die innerdeutsche Grenze in den Westen fliehen. In Wilhelmshaven und West-Berlin studierte er anschließend Politische Wissenschaften und begann, als freier Journalist zu arbeiten. Seine Beiträge für Presse und Rundfunk, in denen er auch Informationen der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit und des Untersuchungsausschusses Freiheitlicher Juristen verarbeitete, widmeten sich vorwiegend der politischen Verfolgung in der DDR.

Der Staatssicherheitsdienst der DDR ließ ihn im April 1955 durch einen Bekannten, der sich später als Geheimer Stasi-Mitarbeiter entpuppte, mit sogenannten K.O.-Tropfen betäuben und nach Ost-Berlin entführen. Anschließend wurde Fricke fünfzehn Monate lang im Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen verhört. Das Oberste Gericht verurteilte ihn schließlich in einem Geheimprozess im Juli 1956 wegen "Boykotthetze" zu vier Jahren Zuchthaus, die er in Brandenburg-Görden und in Bautzen II absitzen musste. Nach seiner Haftentlassung 1959 wirkte er als freier Journalist und Publizist. Seit 1970 war er Redakteur beim Deutschlandfunk in Köln. Seine damals gegen erhebliche politische Widerstände erschienenen Bücher zur politischen Verfolgung und zum Widerstand in der DDR gelten heute als Standardwerke. Das MfS überwachte ihn bis 1989 auch in der Bundesrepublik.

In den 1990er Jahren war er Sachverständiger zweier Enquete-Kommissionen des Bundestages und bekam für seine Aufklärungsarbeit über die SED-Diktatur von der Freien Universität Berlin die Ehrendoktorwürde verliehen. 2010 erhielt er den Hohenschönhausen-Preis des Fördervereins Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen.

Karl Wilhelm Fricke war mehrere Jahre Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats.