7.11.2014 | Gedenkstätte veröffentlicht Totenbuch zu Sowjetlager

Opfer bekommen erstmals wieder einen Namen

Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen hat am Freitag (07.11.) die Namen von mehr als 700 Menschen veröffentlicht, die zwischen 1945 und 1949 im sowjetischen Speziallager Nr. 3 und im benachbarten Haftarbeitslager ums Leben kamen. Das im Jaron-Verlag erschienene Totenbuch weist neben den Namen auch die Geburts- und Sterbedaten, den Geburtsort sowie den letzten Wohnort nach. Es entstand nach jahrelangen Recherchen des Historikers Peter Erler. In einem Essay beschäftigt er sich mit den Todesursachen und der Herkunft der Opfer.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in Deutschland über 380.000 Zivilisten in sowjetische Speziallager eingewiesen. Mindestens ein Viertel von ihnen kam dort ums Leben. Etwa 20.000 waren in Berlin-Hohenschönhausen inhaftiert. Wie viele von ihnen dort genau starben, ist bis heute nicht bekannt. Die Toten wurden damals auf einem nahegelegenen Müllabladeplatz verscharrt. Nach der Friedlichen Revolution wurden bei Suchgrabungen die sterblichen Überreste von 127 Gefangenen gefunden und am 24. Oktober 1995 auf dem städtischen Friedhof Hohenschönhausen nachbestattet.

Um die Namen der Toten herauszufinden, waren mehrjährige Recherchen notwendig. Dazu wurden vor allem Karteikarten aus dem russischen Staatsarchiv sowie Quellen des Suchdienstes des Deutschen Roten Kreuzes und der Wehrmachtsauskunftstelle ausgewertet. Das Forschungsprojekt wurde von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert.

Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen (Hrsg.): Totenbuch Sowjetisches Speziallager Nr. 3 und Haftarbeitslager Berlin-Hohenschönhausen 1945-1949, Jaron-Verlag, 128 S., 19.95 €, ISBN: 978-3-89773-757-0, Berlin 2014.

Kontakt:
André Kockisch

Tel. 030 / 98 60 82-413
a.kockisch@stiftung-hsh.de

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