15.7.2014 | Russland schließt einziges Gulag-Museum

Direktor fordert Erhalt der Gedenkstätte in Perm

Das einzig erhaltene Arbeitslager für politische Häftlinge auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion im westrussischen Perm droht zu verschwinden. Nach der Schließung der dortigen Gedenkstätte und der Kündigung der langjährigen Direktorin Tatjana Kursina durch die Permer Regionalregierung ist die Zukunft des früheren Haftortes ungewiss. Der Direktor der Gedenkstätte im ehemaligen Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, befürchtet, das politische Unrecht des kommunistischen Regimes solle künftig geleugnet oder beschönigt werden. Das Gulag-Lager Perm 36 sei ein authentischer Haftort, der erhalten bleiben müsse.

Im Januar 2014 hat die Permer Regionalregierung ohne Angabe von Gründen die Finanzierung eingestellt. Im Mai wurde die Direktorin des Museums, Tatjana Kursina, die zu dessen Gründern gehört, unerwartet entlassen. Derzeit ist die Gedenkstätte faktisch für Besucher geschlossen. Alle Bildungsprojekte wurden eingestellt, darunter ein jährlich statt findendes Internationales Bürgerfestival. Gründe für die Schließung war die angeblich antirussische Ausrichtung der Ge-denkstätte.

Die Gedenkstätte der Geschichte politischer Repressionen „Perm-36“ auf dem Gelände eines ehemaligen Gulag-Arbeitslagers wurde 1994 eröffnet. Bei dem Museum handelt es sich um das einzige erhaltene ehemalige Arbeitslager für politische Gefangene auf dem gesamten Territorium der ehemaligen Sowjetunion. Im Mittelpunkt der Gedenkstättenarbeit stehen die Häftlinge der drei Permer Lager, die seit den späten 1940er bis in die 1980er Jahre aus politischen Gründen inhaftiert waren. Sie sind nach dem Zerfall der Sowjetunion als Opfer rechtswidriger politischer Verfolgungen vollständig rehabilitiert worden.

Kontakt:
André Kockisch

Tel. 030 / 98 60 82-413
a.kockisch@stiftung-hsh.de

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