9.3.2015 | Gedenkstätte klärt Schüler über Linksextremismus auf

Familienministerium fördert neuartiges Bildungsprojekt

Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen startet 2015 mit einem neuen Bildungsprojekt zum Thema Linksextremismus. Im Rahmen des vom Bundesbildungsministerium geförderten Programms „Demokratie leben!“ werden in der Gedenkstätte in den nächsten fünf Jahren Seminare und Projekttage für den politisch-historischen Unterricht angeboten. Das Angebot versteht sich als außerschulische Ergänzung der Fächer Ethik, Politik und Wirtschaft, Gesellschaftslehre, Gemeinschaftskunde, Sozialkunde, Geschichte und Deutsch. Zielgruppe sind vor allem Jugendliche der Sekundarstufe II, der Oberstufe und von Berufsschulen. Ein Teil der Seminare findet direkt an den Schulen statt.

Bereits von 2012 bis 2014 hat die Gedenkstätte im früheren zentralen Stasi-Gefängnis mit dem Projekt „Alles Geschichte? Linksextremismus in Deutschland heute“ erfolgreich Schüler über aktuelle Formen linker Gewalt aufgeklärt. Mehr als 650 Seminare für rund 10.000 Jugendliche hat die Gedenkstätte in dem Zeitraum durchgeführt.

„Das Lernen am historischen Ort hat sich sehr bewährt,“ erklärte Gedenkstättendirektor Hubertus Knabe. „Wo zu DDR-Zeiten politische Häftlinge einsaßen, ist Aufklärungsarbeit gegen linksextremistische Ideologien besonders anschaulich.“ Ähnlich wie KZ-Gedenkstätten beim Rechtsextremismus müssten auch Gedenkorte für die Opfer der SED-Diktatur verstärkt den Bezug zur Gegenwart herstellen, so Knabe. Die vom Bund geförderte Initiative „Demokratie stärken!“ lief Ende 2014 aus.

Eine aktuelle Studie des Politikwissenschaftlers Klaus Schroeder von der Freien Universität Berlin belegt, wie weit verbreitet heute linksextreme Auffassungen in der deutschen Bevölkerung sind. Schroeder geht im Ergebnis seiner repräsentativen Befragung von einem linksextremen Personenpotential von 17 Prozent der Bevölkerung aus. Während die Anzahl von Initiativen gegen rechte Gewalt sehr hoch sei, werde militanter Linksextremismus weitgehend verharmlost oder igno-riert. Das neue Modellprojekt der Gedenkstätte „Linke Militanz in Geschichte und Gegenwart“ möchte diesem Missverhältnis entgegenwirken.

Kontakt:
André Kockisch
Telefon: 030 / 98 60 82-413
E-Mail: a.kockisch@stiftung-hsh.de

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