6.10.2015 | Neue Forschungsergebnisse über Stasi-Gefängnis

Gedenkstätte und Stasi-Unterlagen-Behörde laden zu Veranstaltung ein

Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen und die Stasi-Unterlagen-Behörde stellen am Donnerstag (8.10., 19.00 Uhr) neue Forschungsergebnisse zur Geschichte des zentralen Stasi-Gefängnisses in Berlin vor. Zwei Dissertationen widmen sich erstmals umfassend der inneren Organisation der Untersuchungshaftanstalt. Die Politikwissenschaftlerin Elisabeth Martin und die Historikerin Julia Spohr haben dafür zahlreiche bislang unbekannte Quellen ausgewertet. In der Veranstaltung diskutieren sie über ihre Forschungsergebnisse mit dem ehemaligen Häftling Gilbert Furian und dem Psychologen Stefan Trobisch-Lütge von der Beratungsstelle für politisch Traumatisierte der SED-Diktatur.

Die Studie der Politikwissenschaftlerin Elisabeth Martin („Ich habe mich nur an das geltende Recht gehalten“) untersucht erstmals Herkunft, Arbeitsweise und Mentalität der Wärter und Vernehmer in der Stasi-Untersuchungshaftanstalt. Die Autorin beschreibt in ihrem Buch, wie es möglich war, dass Hunderte von Mitarbeitern im Unterdrückungsapparat der Stasi widerspruchslos funktionierten. Die Dissertation der Historikerin Julia Spohr („In Haft bei der Staatssicherheit“) konzentriert sich dagegen auf die Opfer und zeichnet ein präzises Bild der Haftbedingungen und Vernehmungsmethoden.

Die zentrale Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen bestand von 1951 bis 1990. Über 11.000 Gefangene waren in dieser Zeit hier in Haft. Die Stasi versuchte, den Gefangenen Geständnisse abzupressen, um sie anschließend vor Gericht zu stellen. Nach mehrjährigen Forschungen wurde erst in jüngster Zeit bekannt, wer in dem Gefängnis inhaftiert war und wer hier arbeitete.

Kontakt:
André Kockisch, Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
Telefon: 030 / 98 60 82-413
E-Mail: a.kockisch@stiftung-hsh.de

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2015 10 08 Neue Forschungen Spohr

2015 10 08 Neue Forschungen Martin