19.8.2016 | Gedenkstätte erinnert an Ende des Prager Frühlings

Rockkonzert in der tschechischen Hauptstadt

Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen erinnert am Sonntag (21.08.) an die Niederschlagung des Prager Frühlings vor 48 Jahren. In der tschechischen Hauptstadt Prag treten aus diesem Anlass von 12 bis 22 Uhr deutsche und tschechische Rockbands auf, um der Opfer der Ereignisse zu gedenken. Die Veranstaltung findet auf dem Prager Wenzelsplatz statt, auf dem sich der Student Jan Palach 1969 aus Protest verbrannt hatte.

Aus Deutschland wirkt an dem Gedenkkonzert die ehemalige DDR-Kultband „Speiches Monokel“ mit. Ihr Mitbegründer Jörg Schütze („Speiche“) saß in der DDR aus politischen Gründen in verschiedenen Haftanstalten ein. Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen zeigt einen Film über das ehemalige zentrale Stasi-Gefängnis, in das ostdeutsche Kritiker der sowjetischen Invasion 1968 eingeliefert wurden. Auch Gedenkstättendirektor Hubertus Knabe wird auf der
Open-Air-Veranstaltung sprechen.

In der Nacht vom 20. zum 21. August 1968 marschierten Truppen des Warschauer Paktes in die damalige Tschechoslowakei ein, um die Reformpolitik des kommunistischen Parteichefs Alexander Dubcek gewaltsam zu beenden. Eine halbe Million Soldaten besetzten die Schaltstellen des Landes, Dubcek wurde vorübergehend festgenommen. Über einhundert Menschen kamen ums Leben, Zehntausende ergriffen die Flucht. In der DDR kam es zu zahlreichen Solidaritätsbekundungen, die vom Staatssicherheitsdienst brutal verfolgt wurden. Mehrere Hundert Protestierende – unter ihnen die Liedermacherin Bettina Wegner und der Schriftsteller Thomas Brasch – kamen ins Gefängnis, viele von ihnen nach Berlin-Hohenschönhausen.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) und sein tschechisches Pendant ÚZSI (Úřad pro zahraniční styky a informace) haben unterdessen bisher geheime Dokumente über die damaligen Ereignisse veröffentlicht. Darin findet sich keinerlei Hinweis auf die von der SED behauptete „imperialistische Einmischung in der CSSR insbesondere seitens der herrschenden Kreise der westdeutschen Bundesregierung“. Es ist das erste Mal, dass Historiker und Archivare zweier Nachrichtendienste gemeinsam eine solche Publikation erarbeitet haben.

Kontakt:
André Kockisch, Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
Telefon: 030 / 98 60 82-413
E-Mail: a.kockisch@stiftung-hsh.de


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