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Quasdorf Gisela

Gisela Quasdorf

Gisela Quasdorf wurde 1953 in Radebeul geboren und erlernte die Berufe Köchin und Krippenerzieherin. Als sie sieben Jahre alt war, verhaftete das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) ihre Mutter wegen Staatsverleumdung, sodass sie in ein Kinderheim kam. Die Erfahrungen, die sie dort machte, prägten ihre skeptische Einstellung gegenüber der kommunistischen Ideologie. 1971 trat sie aus der Freien Deutschen Jugend (FDJ) und der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF) aus und weigerte sich, an den Wahlen teilzunehmen. Während eines Urlaubsaufenthaltes in Ungarn lernte sie 1975 einen westdeutschen Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) des MfS kennen.

Aufgrund seines Berichtes legte das Ministerium für Staatssicherheit einen so genannten Operativen Vorgang (OV) an. In Operativplänen plante das MfS die "Zersetzung im Arbeits-, Wohn-, Freizeitbereich sowie Erarbeitung von Beweisen, die eine strafrechtliche Verantwortlichkeit begründen sollten". Nach Einschränkungen im Berufsleben und einem Reiseverbot ins sozialistische Ausland stellte sie im Januar 1976 einen Antrag auf Ausreise in die Bundesrepublik.

Nachdem er mehrfach abgelehnt und Gisela Quasdorf durch zwei Mitarbeiter des MfS in ihrer Wohnung bedroht wurde, plante sie ihre Flucht aus der DDR. Der Versuch, über die Tschechoslowakei zu fliehen, scheiterte jedoch im September 1978. Nachdem sie zunächst in tschechoslowakischen Gefängnissen inhaftiert war, kam sie in die MfS-Untersuchungsgefängnisse in Berlin und Dresden und nach der Verurteilung in die Frauenstrafvollzugsanstalt Hoheneck. Nach elf Monaten Haft wurde sie 1979 von der Bundesrepublik freigekauft. Unterbrochen von langjährigen Auslandsaufenthalten in Italien, Asien, Nord- und Südamerika, lebte sie nach ihrer Abschiebung zunächst in München und seit 1982 in Berlin. Sie war unter anderem als Reiseleiterin und Journalistin tätig. Seit 2007 führt sie Besuchergruppen durch die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen.