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Siegmar Faust

Siegmar Faust

Literatur (Auswahl)

  • Faust, Siegmar: Wie die SBZ kommunistisch wurde und im Westen zur kommoden Diktatur geriet (2007)
  • Faust, Siegmar: Thomas Luckmann - Identität als universale Form (2005)
  • Faust, Siegmar: Dietrich Bonhoeffer: Ein Märtyrer und protestantischer Theologe im 20. Jahrhundert (2007)
  • Faust, Siegmar: Sigmund Freud - Die Zukunft einer Illusion (2007)
  • Faust, Siegmar: Tod und Auferstehung in der Sicht christlicher Dogmatik (2007)
  • Faust, Siegmar: Der Mensch und die Sünde (2007)

Siegmar Faust wurde 1944 in Dohna/Sachsen geboren. Er studierte Kunsterziehung und Geschichte an der Universität Leipzig. Weil er eine Lesung mit unzensierter Lyrik organisierte, wurde er 1966 wegen „Disziplinlosigkeit und politischer Unzuverlässigkeit" vorzeitig exmatrikuliert. Nach „Bewährung in der Produktion" durfte er 1967 erneut ein Studium beginnen. Weil er in einem Gedicht den Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953 erwähnte, wurde er jedoch auch am Institut für Literatur „Johannes R. Becher" vom Studium ausgeschlossen. Als Hilfsarbeiter verdiente er sich fortan seinen Lebensunterhalt. Nebenbei war er weiterhin schriftstellerisch tätig und gründete 1968 eine inoffizielle Künstlergruppe. Weil er versuchte, literarische Werke in der Bundesrepublik zu veröffentlichen, wurde er 1971 vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) wegen „staatsfeindlicher Hetze" verhaftet. Während seiner elfmonatigen Untersuchungshaft versuchte Faust, die Stasi-Offiziere mit ihren eigenen ideologischen Waffen zu schlagen. Nach der Strafverbüßung sollte er deshalb auf unbefristete Zeit in die Haftanstaltsklinik für Neurologie und Psychiatrie Waldheim eingeliefert werden.

Nach dem Machtantritt des neuen SED-Chefs Erich Honecker wurde Faust im Rahmen einer Amnestie 1972 jedoch freigelassen. Er durfte weder sein Studium beenden noch seine Texte in der DDR publizieren. 1973 berief er sich auf die Menschenrechtsdeklaration und stellte mehrere Ausreiseanträge, um die DDR legal zu verlassen. Die Anträge wurden abgelehnt. Weil er eine Petition „Gegen die Verweigerung der Menschenrechte" in Umlauf brachte, wurde er 1974 erneut verhaftet und zu viereinhalb Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Im Zuchthaus Cottbus brachte er eine handgeschriebene Häftlingszeitung mit dem Titel „Armes Deutschland" in Umlauf. 400 Tage in Kellerzellen waren die Folge.

Für Fausts Freilassung setzten sich damals Menschenrechtsorganisationen und Prominente wie der Verleger Axel Springer oder der kommunistische Regimekritiker Robert Havemann ein. Am 1. September 1976 durfte er in die Bundesrepublik ausreisen, wo er als Schriftsteller, Drehbuchautor und Vortragsreferent arbeitete. Nach dem Sturz der SED-Diktatur wirkte er als Berater der Deutschen Sozialen Union (DSU) in der ersten frei gewählten Volkskammer. Von 1996 bis 1999 war er Sächsischer Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen.

Heute ist Faust Vorstandsmitglied in verschiedenen Opferverbänden. Seit 2008 führt er Besuchergruppen durch die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Er hat sein Schicksal in der sechsteiligen ZDF-Spielfilm-Serie "Freiheit, die ich meine" (1979) und in zahlreichen Publikationen verarbeitet.