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Mike Froehnel

Mike Fröhnel

Mike Fröhnel wurde 1965 in Schwerin geboren. Seine Konflikte mit der SED begannen im Alter von 17 Jahren. Weil er eine Jeansjacke mit einem unerwünschten Aufnäher trug, wurde er Ende 1982 erstmals festgenommen. Als man ihn dabei mit einem Knüppel schlug, wehrte er sich. Wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt wurde Fröhnel daraufhin vor Gericht gestellt. Er musste für sechs Monate in das "Jugendhaus Frohe Zukunft", ein berüchtigtes DDR-Jugendgefängnis in Halle.

Mit 19 Jahren wurde Fröhnel erneut verhaftet, weil er in seiner Nachbarschaft sieben selbst gezeichnete Flugblätter verteilt hatte. Sie zeigten die Berliner Mauer, in die das Eingangstor des KZ Sachsenhausen eingelassen war. Fröhnel kam in das zentrale Untersuchungsgefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) nach Berlin-Hohenschönhausen. Nach mehrmonatiger Haft klagte man ihn wegen "versuchter Republikflucht" an – obwohl er gar nicht geplant hatte, aus der DDR zu fliehen. Im März 1985 wurde er zu elf Monaten Haft verurteilt, die er im "Gelben Elend" in Bautzen absitzen musste. Zwei Wochen nach seiner Entlassung wurde er abermals verhaftet, weil ein Inoffizieller Mitarbeiter (IM) des MfS behauptet hatte, dass er eine Waffe besäße.

Als er im Juli 1987 nach insgesamt 20-monatiger Haft aus dem Gefängnis entlassen wurde, zog er auf Anraten eines Freundes in die Tschechoslowakei. Hier wohnte er bei Bekannten, die sich am Widerstand gegen das dortige kommunistische Regime beteiligten. In der Tschechoslowakei wurde Fröhnel zum vierten Mal verhaftet und nach zwei Monaten in die DDR abgeschoben. Im Dezember 1987 kam er erneut in die Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen. Ein DDR-Gericht verurteilte ihn wegen "vollendeten ungesetzlichen Grenzübertritts". Nach 24 Monaten Gefängnis wurde er am 30. November 1989 aus dem Gefängnis in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) entlassen. Er wusste damals nicht, dass die Berliner Mauer inzwischen gefallen war.

Bis 1991 lebte er zunächst in Schleswig-Holstein und Dänemark, dann zog er wieder nach Berlin. Zusammen mit anderen ehemaligen Häftlingen setzte er sich seit 1994 für die Errichtung einer Gedenkstätte in der zentralen Untersuchungshaftanstalt in Berlin-Hohenschönhausen ein. Seitdem führt er Besucher durch die ehemalige Haftanstalt.