Gedenkstätte

Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen ist ein Ergebnis der friedlichen Revolution in Ostdeutschland: Wären die Bürger der DDR nicht im Herbst 1989 auf die Straße gegangen und hätten freie Wahlen erzwungen, wäre das Gelände vermutlich noch heute Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit.

  • Die Entstehung der Gedenkstätte

    Die letzten politischen Häftlinge in Hohenschönhausen kamen im Dezember 1989 aus der Untersuchungshaft frei. Bereits Anfang der 1990er Jahre setzten sich ehemalige Gefangene dafür ein, am Ort der Haftanstalt eine Gedenkstätte zu schaffen. 1992 wurde das Gefängnisareal daraufhin unter Denkmalschutz gestellt. 1994 wurde es erstmals für Besucher zugänglich gemacht. Im Dezember 1995 bildete die Berliner Senatsverwaltung für Kultur eine Stiftung in Gründung, mit der die institutionalisierte Arbeit der Gedenkstätte ihren Anfang nahm. Bund und Land beteiligten sich zu gleichen Teilen an den Kosten.

    2014 10 23 Letzte Haeftlinge Haferburg Eine Arbeitsgruppe von Wissenschaftlern erarbeitete eine Rahmenkonzeption für die künftige Arbeit. Auf dieser Grundlage verabschiedete das Abgeordnetenhaus von Berlin im Juni 2000 das Gesetz zur Errichtung der Stiftung »Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen«. Nachdem die Gedenkstätte in den ersten Jahren von Dr. Gabriele Camphausen und danach kommissarisch von Mechthild Günther geleitet worden war, berief der Stiftungsrat im September 2000 den Historiker Dr. Hubertus Knabe zum ersten wissenschaftlichen Direktor der Stiftung.

    Abb.: Manfred Haferburg (links) im Gespräch mit dem stellv. Gedenkstättendiretor Helmuth Frauendorfer. Haferburg war einer der letzten politischen Häftlinge in Hohenschönhausen. Er wurde am 1. November 1989 entlassen.
    © Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, 2014

  • Das Gelände

    Luftbild Gefaengnis 2014 Zum Komplex der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen gehören mehrere Gebäude: die ehemalige Großküche, die nach 1945 als Lager und in den 1950er Jahren als Untersuchungshaftanstalt diente (Altbau); der neue, 1961 fertiggestellte dreistöckige Gefängnisbau mit angegliedertem Vernehmertrakt (Neubau); das mehrfach erweitere Haftkrankenhaus des Staatssicherheitsdienstes; der so genannte Werkstatthof mit Unterkünften und Werkstätten für etwa 25 männliche Strafgefangene, die dort handwerkliche Arbeiten verrichten mussten; ein ausgedehnter Garagentrakt für die Fahrzeuge der Beschäftigten sowie die äußeren Befestigungsanlagen mit drei Wachtürmen, einer Fahrzeugschleuse und einer vier Meter hohen, stacheldrahtbewehrten Mauer.

    Durch den mehrjährigen Leerstand und die teilweise unzureichende Bauweise befinden sich die verschiedenen Gebäude zum Teil in einem sehr schlechten Zustand.

    Abb.: Luftaufnahme von 2014
    © Reimer Wulff

  • Denkmalschutz

    Der gesamte Komplex wurde 1992 unter Denkmalschutz gestellt. Um die Anlage vor dem Verfall zu schützen, beauftragte die Senatsbauverwaltung im Frühjahr 1999 eine Arbeitsgruppe mit der denkmalrechtlichen Erfassung des Gebäudebestands und der eingetretenen Schäden. Ein zentrales Problem bei der Sanierung ist, dass sich verschiedene Schichten und Spuren überlagern. Wichtige Bereiche wurden noch unter der Regie des Staatssicherheitsdienstes umgenutzt und baulich so verändert, dass der ursprüngliche Zustand des Gefängnisses nicht mehr überall sichtbar ist. Bei den denkmalpflegerischen Maßnahmen muss jeweils entschieden werden, welcher historische Zustand wiederhergestellt werden soll.

    Für die Nutzung als Gedenkstätte sind teilweise erhebliche Umbauten erforderlich. Cafeteria, Buchladen oder Veranstaltungsräume sind ebenso notwendig wie Brandschutzvorkehrungen, IT-Leitungen, Besucher-WC’s und Fluchtwege, die es in dem Gefängnis naturgemäß nicht gegeben hat.

    Baumassnahmen Besucherdienst

    Baumassnahmen DauerausstellungIm Jahr 2000 wurde mit der Instandhaltung, der denkmalpflegerischen Rekonstruktion und dem Umbau begonnen. Außer am Haftkrankenhaus konnte die Sanierung der Dächer, des Mauerwerkes und der Fenster abgeschlossen werden, sodass die Gebäude gegen Wettereinflüsse geschützt sind. Im Jahr 2005 wurden umfangreiche Baumaßnahmen im Eingangsbereich sowie auf den Wegen zum Zellentrakt, Rosenhof und Haftkrankenhaus durchgeführt. Zwischen 2011 und 2013 fanden umfassende Bauarbeiten statt: In den ehemaligen Garagen entstanden moderne Filmräume, ein neuer Empfgangsbereich sowie ein Buchladen und eine Cafeteria. Das Erdgeschoss des Altbaus wurde für die neue Dauerausstellung komplett entkernt, ertüchtigt und mit neuester Technik ausgestattet. Es entstanden zusätzlich neue Räume für Wechselausstellungen und Veranstaltungen sowie ein Lern- und Informationszentrum für die Pädagogische Arbeitsstelle.

    Abb.: Oben die entkernten Garagen für Besucherdienst, Buchladen und Cafeteria, unten die im Bau befindliche Ausstellungshalle.
    © Bernd Hiepe

  • Besucherzahlen

    Seit Gründung der Stiftung haben 4,4 Millionen Menschen das ehemalige Untersuchungsgefängnis des DDR-Staatssicherheitsdienstes besucht (Stand: Januar 2017).

    Buergermeister Mueller GestikDie Zahl der Besucher hat im Laufe der Zeit stark zugenommen. Inzwischen kommen jährlich über 450.000 Menschen, darunter auch prominente Gäste wie die Bundespräsidenten Joachim Gauck, Horst Köhler und Johannes Rau, Bundeskanzlerin Angela Merkel oder Berlins Bürgermeister Michael Müller und Klaus Wowereit.

    Während im ersten Jahr nach Öffnung des Geländes (1994) rund 3.100 Besucher kamen, betrug die Zahl der Besucher fünf Jahre später 41.500. Im Jahr 2000 waren es 68.000 und ein Jahr später bereits 88.700 Interessierte. Im Januar 2004 wurde die 500.000. Besucherin begrüßt und bis Ende 2005 mehr als 141.000 Besucher gezählt. 2008 kamen knapp 250.000 Menschen, 2009 sogar 314.000. Im Jahr 2016 konnte ein weiterer Rekord verbucht werden: Etwa 455.000 Menschen haben die Gedenkstätte besucht. Der viermillionste Besucher - ein Schüler aus Bayern - kam im Dezember 2015 in die Gedenkstätte.

    Viermillionster Besucher nahEine Besichtigung der weitläufigen Gefängnisanlage ist nur im Rahmen eines geführten Rundgangs möglich. Das Gefängnis muss den Besuchern erklärt werden, für seine Überwachung stehen nicht genügend Kräfte zur Verfügung. Die meisten Besucher nehmen an einer vorher angemeldeten Gruppenführung teil. Aber auch die Zahl der Einzelbesucher hat, besonders am Wochenende, beständig zugenommen. Der wachsende Zulauf hat zu einem Ausbau des Besucherangebotes geführt: Seit April 2001 hat die Gedenkstätte täglich geöffnet. An Wochentagen finden täglich mindestens drei Rundgänge für Einzelbesucher statt, an Wochenenden und Feiertagen stündlich zwischen 10 und 16 Uhr. Häufig begleiten ehemalige politische Häftlinge die Führungen. Angaben zu den Führungen und Preisen finden Sie hier.

    Abb. 1: Berlins Regierender Bürgermeister Müller zu Gast in der Gedenkstätte
    Abb. 2: Begrüßung des viermillionsten Besuchers
    © Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen